Monat für Monat haben wir mit unterschiedlichen Gästen ausgelotet, wie sich KI‑gestützte Verfahren, Programmierwerkzeuge und Dateninfrastrukturen mit der konkreten Praxis historischer Forschung und Lehre verbinden lassen. Im Zentrum standen dabei stets Fragen, die viele von uns ganz unmittelbar beschäftigen: Wie lässt sich mit großen Sprachmodellen verantwortungsvoll arbeiten? Wo unterstützen sie die Erschließung historischer Quellen und wo sind klassische, manuelle Methoden weiterhin unverzichtbar? Wie können wir Daten so strukturieren, visualisieren und annotieren, dass sie langfristig nachnutzbar bleiben?
Wie schon in den ersten beiden Staffeln blieb „Von Büchern zu Bytes“ seinem Grundprinzip treu: Die Reihe richtet sich bewusst an eine breit gefächerte Community und verbindet einstiegsfreundliche Formate mit anspruchsvollen methodischen Diskussionen. Viele Sessions waren als Hands‑On‑Workshops gestaltet, in denen Teilnehmende eigene Fragen, Materialien und Daten mitbringen konnten. Andere setzten eher konzeptionelle Schwerpunkte und luden dazu ein, digitale Werkzeuge aus der Perspektive wissenschaftlicher Integrität, rechtlicher Rahmenbedingungen oder fachlicher Standards zu betrachten. Auf diese Weise ist über die Staffel hinweg ein gemeinsamer Diskurs entstanden, in dem neue Workflows ausprobiert und mögliche Grenzen digitaler Verfahren erkundet werden konnten.
Die Themen der dritten Staffel im Überblick:
- KI als hermeneutisches Tool für die Geschichtswissenschaft? Eine Hands‑On‑Einführung in Retrieval‑Augmented Generation (RAG)
(Torsten Hiltmann, Noah Baumann) - Wissenschaftliche Integrität in der Arbeit mit großen Sprachmodellen
(Cindarella Petz, Sarah Oberbichler) - Visualising historical data across epistemological practices
(Aida Horaniet Ibanez, Daniel Richter) - Vom Digitalisat zu strukturierten Daten: Historische Quellen mit LLMs erschließen
(Sarah Kiener) - Keine Angst vor Python
(Robert Zwick, Golnaz Sarkar Farshi) - Is it that deep?: Ethische und rechtliche Rahmenbedingungen einschätzen lernen
(Oliver Vettermann) - Orte (in) der Geschichte: Herausforderungen in der Arbeit mit historischen Ortsdaten und der Minimaldatensatz der „AG Historische Ortsdaten“
(Sophie Döring, Felix Köther, Anne Purschwitz, Tim Schubert) - Eine Einführung in das Annotationstool CATMA
(Malte Meister, Stefanie Messner) - KI oder klassisch? Retrodigitalisierungs‑Szenarien am Beispiel des „Bomber’s Baedeker“
(Stefan Schmunk, Stefan Büdenbender, Jacob Benz)
So dynamisch wie sich die Forschungslandschaft ändert, so wichtig ist auch das regelmäßige Überprüfen und Anpassen von Vermittlungsangeboten. Wie bereits in den beiden vergangenen Staffeln haben wir erneut bei den Teilnehmenden nachgehört, was sie sich hinsichtlich der Konzeption der Veranstaltungsreihe wünschen. Um eine möglichst niedrigschwellige und flexible Teilnahme an den Sessions zu gewährleisten, setzen wir weiterhin auf die eingespielte Aufteilung in einen 30-minütigen theoretischen Part, gefolgt von einem ca. 60-minütigen Hands-On-Teil. Dies ermöglicht den Teilnehmenden nach Beendigung des Theorieteils zu entscheiden, ob sie an einer vertieften Einführung interessiert sind. Die Ergebnisse der Umfrage1 bestätigen dies ebenfalls. Die Frage, was die Teilnehmenden am meisten interessiert, der Theorie- oder Hands-On-Teil, wurde mit gleich vielen Nennungen beantwortet. Um eine möglichst freie Teilnahme an dem aktiven Part der Veranstaltung zu gewährleisten, wurde auf eine Aufnahme des Hands-On-Teils bislang verzichtet. Ein Großteil der Teilnehmenden hat jedoch die Aufnahme beider Parts befürwortet. Nach individueller Absprache mit den Referierenden werden wir versuchen, dies in der kommenden Staffel umzusetzen. Da „Von Büchern zu Bytes“ in erster Linie für die historisch arbeitende Community konzipiert wurde, ist es uns ein besonderes Anliegen, die Staffel thematisch an den Wünschen der Teilnehmenden auszurichten. Bei der Frage nach Themenwünschen für die kommende Staffel sticht, wie im letzten Jahr auch schon, das Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) hervor. Wir können bereits jetzt versichern, dass wir auch in der vierten Staffel weitere Anwendungsgebiete, Methoden und Tools im Kontext KI beleuchten werden.
Wir danken allen Vortragenden und Teilnehmenden für die engagierten Beiträge, Nachfragen und Diskussionen in dieser Staffel. Viele Rückmeldungen haben gezeigt, dass insbesondere das Zusammenspiel von „KI oder klassisch“, also zwischen neuen Tools und bewährten Arbeitsweisen, als zentrales Thema wahrgenommen wird. Daran wollen wir anknüpfen: Auch in zukünftigen Staffeln soll „Von Büchern zu Bytes“ ein Ort bleiben, an dem wir digitale Methoden gemeinsam testen, kritisch diskutieren und weiterentwickeln.
Wir freuen uns, Sie ab Oktober 2026 zur vierten Staffel „Von Büchern zu Bytes“ wieder regelmäßig begrüßen zu dürfen!
1 Die Umfrage fand im Rahmen der letzten „Von Büchern zu Bytes“-Session der dritten Staffel statt, ist formal gesehen also nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Teilnehmenden. Die Antworten können jedoch als richtungsweisende Tendenzen interpretiert werden.
