Beispiele für "Problem Stories"

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1) Bereitstellung von Daten - Daten aus einer Objektsammlung

Als Forscher wollte ich gern eine datengetriebene Analyse zur Verbreitung heraldischer Motive auf mittelalterlichen Objekten durchführen. Geeignete Daten schien es an einer großen Objektsammlung zu geben, die ihre Sammlung sehr ansprechend in einem online-Portal präsentiert. Hier konnte man facettiert die Suchmenge z.B. auf Mittelalter, Deutsches Reich, heraldisch eingrenzen. Die einzelnen Objekte sind zudem jeweils in LIDO-XML beschrieben, wobei die XML-Dateien zu den Objekten jeweils downloadbar sind. Um tatsächlich über den gesamten Bestand arbeiten zu können, hätte ich auch Zugang zu den Daten der Sammlung gebraucht. Eine Schnittstelle oder einen Data-Dump für die gesamte Sammlung und das Treffen einer entsprechenden Auswahl gab es nicht. Alles, was man herunterladen konnte, waren die LIDO-Files für die einzelnen Objekte, in denen die Informationen zu den heraldische Motiven nicht inkludiert waren.

2) Workshop Datenpublikation: Suche Syllabus!

Als verantwortliche Person an einer außeruniversitären Einrichtung möchte ich für die Forschenden in der Qualifizierungsphase Weiterbildungsformate im Bereich Forschungsdatenmanagement anbieten. Insbesondere die Publikation von Forschungsdaten soll gemäß der institutionellen Forschungsdatenleitlinie unterstützt werden. Ein eintägiger Workshop zu Möglichkeiten und Rahmenbedingungen von Datenpublikationen in den Geschichtswissenschaften soll für den Themenbereich sensibilisieren und konkrete Handlungsoptionen für die Forschenden bieten. Eine Konzeption der Veranstaltung von Null auf wäre zu aufwendig für die Einrichtung, so dass ich auf vorhandene Konzepte und Material zurückgreifen möchte und dieses über eine Internetrecherche auffindbar sein sollte. Das Material sollte einen vollständigen Syllabus und Foliensätze umfassen sowie idealerweise auch das Feedback von Teilnehmenden bereits realisierter Veranstaltungen enthalten. Die Recherche blieb jedoch erfolglos: Veranstaltungen zum Forschungsdatenmanagement in den historischen Wissenschaften finden sich insgesamt nur wenige, die recherchierbar und dokumentiert sind, darunter sind noch weniger als Fortbildungsveranstaltung für die Qualifizierungsphase konzipiert und nachnutzbares Lehrmaterial findet sich darunter nur in absoluten Ausnahmefällen, jedoch keines zum Thema Datenpublikation. Während für generische Themen des Forschungsdatenmanagements ausreichend Material zur Verfügung steht, fehlt es an den notwendigen fachspezifischen Adaptionen, besonders im Bereich der historischen Geisteswissenschaften.

3) Alle nutzen dann meine Daten – aber was habe ich davon?

Ich soll zukünftig meine Forschungsdaten unter einer offenen Lizenz publizieren und zur Nachnutzung zur Verfügung stellen. Prinzipiell habe ich da nichts dagegen, aber ich habe diese Daten schon seit zehn Jahren gesammelt, sehr viel Arbeit investiert und auch die Aufbereitung für die Publikation ist noch einmal aufwändig. Ich habe auch nocht nicht selbst alle Aspekte ausgewertet. Was habe ich als Forschende eigentlich davon? Bisher werden die Daten in der Geschichtswissenschaft maximal zitiert (wenn überhaupt) und das bringt mir kaum einen wissenschaftlichen Benefit. In den naturwissenschaftlichen Fächern werden die Produzenten von Daten bei Nachnutzung automatisch auch an den neu entstehenden Publikationen als Co-Autoren beteiligt. In der Geschichtswissenschaft ist davon noch nichts zu spüren, sondern man erfährt mit solchen Ansinnen eher Ablehnung. Ganz im Gegenteil: Wenn ich Paper mit mehreren Autoren einreiche, werden diese bei Qualifizierungsanerkennungen noch aussortiert, weil da mein eigener Beitrag nicht ausreichend erkennbar ist.

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